Woher die Steuermodelle stammen: WIR 2022 & 2026
Das World Inequality Lab (u. a. Thomas Piketty, Lucas Chancel, Gabriel Zucman) führt die umfassendste Datenbank zur globalen Vermögens- und Einkommensverteilung. Zwei Ausgaben seines Flaggschiff-Reports schlagen zwei unterschiedliche Steuer-Designs vor: 2022 eine progressive Vermögenssteuer, 2026 eine flache Mindeststeuer. Die progressive Staffel von 2022 liegt als Preset im Rechner; das Mindeststeuer-Design von 2026 steht im Abschnitt «Zucman-Steuer».
Progressive Staffel
Drei Szenarien (moderat / hoch / sehr hoch)
- Grenzsätze von 1 % ab 1 Mio. steigend bis 3,5 / 10 / 90 % über 100 Mrd. $.
- Ertrag je nach Szenario 1,6 bis 5,3 % des globalen Einkommens.
- Sechs Vermögensbänder mit je eigenem Grenzsatz (Tabelle 7.2).
Flache Mindeststeuer
3. Ausgabe (nach 2018 & 2022), nach Zucman / G20
- Neuer Befund: Milliardäre zahlen effektiv nur ~20 % ihres Einkommens an Steuern, weniger als Haushalte mit tieferem Einkommen (regressiv).
- Antwort: Mindeststeuer 2 / 3 / 5 % auf Centi-Millionäre und Milliardäre.
- 2 % auf Milliardäre ≈ 200 bis 250 Mrd. $ pro Jahr.
Was sich geändert hat: 2022 schlägt einen progressiven Mehrband-Tarif vor, 2026 eine flache Mindeststeuer auf Centi-Millionäre und Milliardäre, aufbauend auf Zucman (2024), den die brasilianische G20-Präsidentschaft 2024 auf die Agenda setzte. Laut WIR 2026 «neutralisiert» bereits ein Satz von 2 % die Regressivität an der Spitze. Die progressive Staffel von 2022 kannst du im Rechner als Preset durchprobieren; die Mindeststeuer von 2026 schlägt keine Vermögenssteuer vor und steht deshalb nicht im Rechner, sondern im Abschnitt Zucman-Steuer. Das interaktive Original-Tool zur progressiven Staffel ist der Global Wealth Tax Simulator des World Inequality Lab.
Video · Gary's Economics mit Gabriel Zucman«The economist billionaires fear: this is how we get a wealth tax»youtube.com ↗Eine 2 %-Mindeststeuer auf das Vermögen
Drei Fragen: Was schlägt Gabriel Zucman vor? Was zahlen die Superreichen heute? Was bringt die Mindeststeuer der Schweiz?
Was Zucman vorschlägt
Eine Mindeststeuer von 2 % auf das gesamte Vermögen, für alle ab 100 Mio. Es ist eine Mindeststeuer, kein Zuschlag: Wer mit seinen heutigen Steuern bereits auf 2 % des Vermögens kommt, ist befreit; wer darunter liegt, stockt auf 2 % auf. In der Schweiz halten die ~300 Reichsten zusammen 851,5 Mrd. zu Marktwerten (Bilanz 2025). Diese Zahl ist die Basis der Rechnung.
Was die Superreichen heute zahlen
Gemessen am Marktvermögen ist die heutige Last tief:
- Vermögenssteuer: ~0,3 % des Marktvermögens.
- Einkommenssteuer auf die Vermögenserträge: ~0,5 %.
- Zusammen ~0,8 % des Vermögens, nicht einmal die Hälfte der von Zucman geforderten 2 %. Sie zahlen heute zu wenig.
Was sie zusätzlich zahlen und was die Schweiz erhält
Die Mindeststeuer hebt die Last von ~0,8 % auf 2 %. Die Differenz, ~1,2 % des Vermögens, ist die Mehrbelastung. Pro 100 Mio. heisst das ~1,2 Mio. mehr im Jahr.